Das Röhrenmeßgerät Funke W19 - Aufbau und Arbeitsweise

Das Gleichstromnetzteil

Max prüft Verstärkerröhren mit Gleichstrom. Die erforderliche Gleichspannung gewinnt er aus einer Anodenwicklung mit Mittelanzapfung. Gleichgerichtet wird mit einer AZ 12. Die Glättung übernimmt ein Elko von 8 µF.
Die so gewonnene Gleichspannung wird mit einem Glimmstabilisator mehr oder weniger konstant gehalten.

Gleichstromnetzteil_820

Die Zweiweggleichrichtung mit der AZ 12 ist nichts Außergewöhnliches. Sie liefert lt. Schaltplan 200 V. In der Praxis messe ich an allen Geräten jedoch nur 185 V. Geglättet wird mit einem Ladekondensator von 8 µF. Über den Widerstand von 1190 Ω fließt im Leerlauf ein Strom von ca. 51 mA.

Benötigt eine zu prüfende Röhre 200 V Anodenspannung, so wird diese über den Prüfstift 54 direkt abgenommen. Alle niedrigeren Spannungen werden am Spannungsteiler abgegriffen. Am Abgriff für 150 V ist auch der Glimmstabilisator angeschaltet. Dieser zieht - im Idealfall - immer genau so viel Strom durch den Widerstand von 1190 Ω, dass sich am Prüfstift 53 eine Spannung von 150 V einstellt. Die niedrigeren Spannungen sind damit zwangsläufig auch stabilisiert.

Der Glimmstabilisator liegt mit seiner Kathode über zwei Widerstände von 50 und 40 Ω auf Masse. Zwischen diesen beiden Widerständen stellt sich eine gegenüber der Kathode negative Spannung von ca. 2 V ein. Sie dient in der Schalterstellung 13 als negative Gitterspannung zur Prüfung der Steuerwirkung.

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, die Teilspannungen im Leerlauf nachzumessen. Sie stimmen nicht exakt mit den angegebenen Werten überein. Auch rechnerisch ergeben sich nicht die genannten Teilspannungen. Es handelt sich vermutlich um einkalkulierte Toleranzen.

Was die Konstruktion des W19 betrifft, spielt die Genauigkeit der Spannungen praktisch keine Rolle, weil die Prüfkarten auf einem W19 entwickelt wurden und sich Spannungsabweichungen einfach in der Skalierung “Unbrauchbar, ?, Gut” niederschlugen.

Die folgende Übersicht zeigt die Spannungsverhältnisse an meinem W19S. Ich verwende einen Glimmstabilisator, der im Leerlauf fast exakt 150 V liefert.

Prüfstift

Nennspannung

Errechnete Spannung

Gemessene Spannung

30/49

10 V

10,5 V

 10,9 V

31/50

30 V

31,8 V

 32,1 V

32/51

60 V

63,6 V

63,4 V

33/52

100 V

110,4 V

 111,8 V

34/53

150 V

150 V

150 V (idealer Stabi)

Fiktiv am ersten Abgriff

 

 

155 V

Fiktiv am zweiten Abgriff

 

 

160 V

Betrachtet man den Spannungsteiler genauer, fallen im Schaltbild bei dem Widerstand von 1190 Ω zwei Abgriffe auf. Diese sind im Gerät auch vorhanden. Beschaltet sind sie nicht. Welche Bedeutung mögen sie haben?

Gleichstromnetzteil_250

Ich habe nur eine Erklärung dafür. Max hat den Einsatz anderer Glimmstabilisatoren in Erwägung gezogen. Aufgrund der Messungen müsste man an die oberen Abgriffe Glimmstabilisatoren von 155 bzw. 160 V anschließen, um am Spannungsteiler die geforderten Teilspannungen zu haben. Vgl. obige Tabelle.

Da solche Glimmstabilisatoren wohl nie gefertigt wurden bleibt nur die Erklärung, dass man das Gerät umrüsten können sollte, wenn man einen Glimmstabilisator mit einer Toleranz nach oben verwenden wollte.

Ich habe mich einmal mit der Frage beschäftigt, welchen Einfluss schadhafte oder ungeeignete Bauteile im Gleichstromnetzteil auf das Messergebnis haben.

Die folgenden Komponenten habe ich daraufhin überprüft und Versuchsreihen dazu aufgestellt. Dabei habe ich mir auch Gedanken darüber gemacht, wie man sie durch nicht originale Teile ersetzen kann.

Die AZ 12 Der Ladekondensator Der Spannungsteiler Der Glimmstabilisator