Das Röhrenmeßgerät Funke W19 - Aufbau und Arbeitsweise

Das Wechselstromnetzteil

Für die Prüfung von Gleichrichterröhren verwendet Max Wechselstrom. Der Netztransformator liefert folgende Sekundärspannungen: 10, 30, 60 und 100 V.

Schaltbild_Wechselstromnetzteil_820

Im Schaltbild ist noch ein Prüfstift für 150 V vorgesehen. Diese Schaltungsvariante nutzt einen Teil der Heizwicklung um die originär gelieferten 100 V weiter zu erhöhen. In der Darstellung erscheinen die Wicklungen 1 bis 6 und 11 bis 17 gegensinnig. Das ist aber tatsächlich nicht der Fall; die Spannungen addieren sich, so dass folgende Anodenspannungen zur Verfügung stehen:

100 V + 27 V = 

127,0 V

100 V + 27 V + 16 V =

143,0 V

100 V + 27 V + 16 V + 1 V =

144,0 V

100 V + 27 V + 16 V + 1 V + 0,3 V = 

144,3 V

100 V + 27 V + 16 V + 1 V + 0,3 V + 1 V = 

145,3 V

100 V + 27 V + 16 V + 1 V + 0,3 V + 1 V + 0,3 V =

145,6 V

Die Anodenprüfspannung erreicht also nie 150 V. Ungewöhnlich ist, dass die Anodenprüfspannung in Abhängigkeit von der Heizspannung differiert. Die Entwicklung der Prüfkarten ist damit aber nicht beeinträchtigt. Eine zu prüfende Röhre hat ja immer eine spezifische Heizspannung und damit auch eine festgelegte Anodenprüfspannung. Der Rest wird über die Skalierung der Prüfkarte ausgeglichen.

Nach diesen Überlegungen nun die Ernüchterung: Ich habe keine einzige Prüfkarte gefunden, die den Prüfstift 29 für die 150 V Anodenprüfspannung nutzt.

Foto_Kreuzschienenverteiler_250

Die Beschriftung des Kreuzschienenverteilers weist bei der Prüfstiftposition 29 eine Lücke auf. Möglicherweise ein Hinweis darauf, dass hier in Abhängigkeit von der Heizspannung unterschiedliche Anodenspannungen erzeugt werden und Max sich somit nicht genau festlegen konnte.

Jetzt bleibt noch die Frage, wie das Instrument mit Wechselstrom arbeiten kann. Es ist ja ein Drehspulinstrument, das nur Gleichstrom verträgt. Nun, die Antwort ist einfach: die zu prüfende Röhre richtet den Anodenstrom gleich. Eine Glättung erfolgt nicht; es geht auch so.