Das Röhrenmeßgerät Funke W19 - Aufbau und Arbeitsweise

Die AZ 12

Die AZ 12 ist eine recht starke Zweiweg-Gleichrichterröhre. Sie kann bei einer Anodenspannung von 300 V bis zu 200 mA gleichrichten. Bei 200 V liegt der verfügbare Anodenstrom bei etwa 120 mA. Geheizt wird sie mit 4 V und 2,4 A. Die Heizleistung von ca. 10 W wird vom Netztransformator aufgebracht.

Sinkt im Laufe der Betriebsjahre die Emissionsfähigkeit der AZ 12, kann das die Messergebnisse bei Röhren mit hohem Anodenstrom  - insbesondere Endstufenröhren -  negativ beeinflussen. Deshalb sollte man sich von Zeit zu Zeit versichern, dass die AZ 12 noch in Ordnung ist.

Die Prüfung der AZ 12 ist recht leicht möglich. Man kann sie ausbauen und unmittelbar auf dem selben W19 testen. Max prüft Gleichrichterröhren mit Wechselstrom, also wird sie für die eigene Prüfung nicht benötigt.

Foto_AZ12_400

Foto der AZ 12 im Gerät

Was geschieht, wenn die AZ 12 etwas altersschwach ist? Die Auswirkungen auf das Messergebnis habe ich mit folgender Apparatur gemessen.

Auf dem Testbrett habe ich zwei Fassungen angebracht. Die linke Fassung nimmt die AZ 12 aus dem W19 auf, die rechte eine zu vergleichende Röhre. Die Heizungen sind parallel geschaltet und werden von einem Hilfstransformator versorgt. Die Parallelschaltung gewährleistet gleiche Betriebsbedingungen. Die Anoden kann ich während der Röhrenprüfung umschalten und beobachten, ob sich die Anzeige am Instrument ändert.

Grafik_zwei_Sockel_400

Schaltbild zum Vergleichen verschiedener AZ 12

Foto_Apparat_400

Foto des Versuchsaufbaus

Ich habe zunächst nur verschiedene Exemplare der AZ 12 untereinander verglichen und beobachtet, ob sich bei Prüfung der folgenden Röhren Unterschiede feststellen ließen. Die verwendeten AZ 12 waren selbst fehlerfrei und lieferten bei der Prüfung auf W19  bei 200 V Anodenspannung 120 mA.

EC 92

Die Verwendung verschiedener AZ 12 ergab keine signifikanten Unterschiede. Die Messung ergab in allen Fällen 11 mA.

EL 84

Die EL 84 zieht bei der Messung ca. 44 mA Anodenstrom. Auch hier hatten unterschiedliche Exemplare der AZ 12 keine Auswirkungen auf das Messergebnis.

E 130 L

Mein geprüftes Exemplar zog 140 mA Anodenstrom. Mit unterschiedlichen AZ 12 schwankte das Prüfergebnis. Das W19 bewegt sich im oberen Leistungsbereich und reagiert empfindlich auf kleinere Mängel der AZ 12.

Aus den Versuchen empfehle ich die Verwendung einer AZ 12, die auf W19 gemessen 140 mA Emission anzeigt.

Da ich keine schwache AZ 12 hatte, habe ich das Experiment mit einer AZ 11 durchgeführt. Diese liefert bei 200 V nur 60 mA Anodenstrom. Also kann man mit ihr eine schwache AZ 12 simulieren.

EC 92

Die Verwendung einer AZ 11 ergab keinen Unterschied zur AZ 12. Vermutlich kann die AZ 11 genügend Strom liefern.

EL 84

Hier fiel die Messung des Anodenstroms etwas geringer aus. Die Anodenspannung fiel von 204 V auf 187 V. Der Glimmstabilisator leuchtete dunkler.

E 130 L

Hier wurde das Messergebnis deutlich nach unten beeinflusst. Von ehemals 140 mA bei der AZ 12 sank der Anodenstrom auf 115 mA bei Verwendung einer AZ 11.

Fazit: Im oberen Leistungsbereich macht sich eine schwache AZ 12 zuerst bemerkbar.

In Band 14 ist auf Seite 50 eine Ersatzschaltung angeführt, bei der statt der AZ 12 zwei Halbleiterdioden und zwei Schutzwiderstände von je 70 Ω zum Einsatz kommen. Alle vier Bauteile auf einem Stahlsockel angeordnet machen den Tausch zu einem Kinderspiel. Hier das Schaltbild und das Foto eines Versuchsaufbaus.

Als Vorteil nennt KF Müller, dass der Netztransformator um die Heizleistung der AZ 12 von ca. 10 W entlastet wird. Daneben entfällt die Anheizzeit der AZ 12 wodurch der Glimmstabilisator sofort zündet.

Schaltbild_Original_AZ12 Schaltbild_Ersatz_der_AZ12_mit_Dioden

Sockel der AZ 12 von unten gesehen

Foto_Dioden_statt_AZ12_300

Ersatzschaltung mit 2 Dioden und 2 Widerständen von 62 Ω

Ich habe die Ersatzschaltung nachgebaut und mittels der oben angeführten Apparatur mit einer AZ 12 verglichen.

EC 92

Mit der AZ 12 und mit den Dioden habe ich 11 mA gemessen.

EL 84

Mit den Dioden ergab sich eine höhere Emission von 1 mA.

E 130 L

Mit den Dioden habe ich 150 mA gemessen, mit der AZ 12 nur 135 mA.

Fazit: Die Ersatzschaltung ist recht gut gelungen. Leider ist sie etwas zu gut. Im oberen Leistungsbereich werden die Messergebnisse geschönt.

Ich habe einige Versuche gemacht und festgestellt, dass eine Ersatzschaltung mit 2 x 150 Ω bessere Ergebnisse liefert. Die Unterschiede zur AZ 12 sind dann minimal.

Die letzten Geräte wurden mit einem Trockengleichrichter gebaut. Das beigefügte Schaltbild veranschaulicht den Unterschied.

Schaltbild_Graetz

Schaltbild der letzten Generation mit Trockengleichrichter

Da Max hier nicht mit zwei Dioden arbeitet sondern einen Brückengleichrichter benutzt, muss der Transformator anders gewickelt sein. Statt zwei Wicklungen ist nur eine aufgebracht und diese hat vermutlich weniger Windungen. Max benennt hier den Transformator 47779 statt vormals Bv 5160 im Schaltbild mit der AZ 12.

Foto_Graetz_400

Der Trockengleichrichter im Gerät